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Hauptseite » Artikel » Ottweiler - interkulturell

Aufruf an alle Bürgerinnen und Bürger - in Ottweiler und nicht nur
Aufruf zur Solidarisierung unter dem Stichwort: 
„Wir sind miteinander Europa"

Gegen eine aufkommende Verunglimpfung und Missachtung europäischer Mitbürger und Mitbürgerinnen aus Rumänien bzw. Bulgarien

 In den letzten Tagen vor und nach der Jahreswende wird unter dem Stichwort der „Freizügigkeit" also im Blick auf Arbeitsrecht und Aufenthalt für rumänische und bulgarische EU-Mitbürger in den Ländern der EU, eine politische und gesellschaftliche Debatte geführt, die bewusst hochemotionalisiert wird. 
Dies geschieht in den Medien, aber auch in vielen kleinen alltäglichen Gesprächen. Nicht das Stattfinden einer inhaltlichen Auseinandersetzung ist das Problem, aber die Art wie diese teilweise geschieht. Ohne auf die Details der politischen Debatte einzugehen, erfüllt es uns mit Charme, aber mehr noch mit Zorn, wenn wir Politiker, aber auch andere Mitbürger vernehmen, die in oft primitiver Stammtischmanier ihre völlig pauschalen und schwarz-weiß gefärbten Urteile fällen: die Menschen aus Rumänien oder Bulgarien wollten nur auf Kosten anderer leben, …überfluteten Deutschland, …seien ja nur Sozialtouristen und …… noch viele weitreichendere Aussagen mehr, die wir hier bewusst nicht zitieren wollen.

 Aus dem langjährigen Engagement unserer Initiative in Rumänien (fast 23 Jahre der Kontakte, des menschlichen Brückenbaus, der diakonischen Hilfe in zahlreichen Projekten) kennen wir die Lebensverhältnisse, die politischen, sozialen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zumindest in Rumänien gut. Wir sehen auch die weiter vorhandene und mancherorts noch drastische Not von Familien, Menschen und ganzen Bevölkerungsgruppen. 

Das Land, das nach Jahrzehnten menschlicher, wirtschaftlicher und moralischer Ausbeutung in der Zeit des „Ceaucescu-Sozialismus", den Weg in Richtung Demokratisierung angetreten ist, hat es noch immer nicht leicht. Es ist ein Land mit seinen Menschen, die es verdient haben mehr als nur der Produkt-Absatzmarkt der Westländer zu sein. 

Natürlich gibt es sie: die Probleme hier in mancher unserer Großstädte, die notwendigen sozialen Maßnahmen und damit verbundene Aufwendungen auch für Menschen, die aus Rumänien und Bulgarien kommen. Natürlich gibt es auch die Aspekte der Kriminalität, die aus osteuropäischen Ländern zu uns herüberreicht, weil in sozial höchst schwierigem Umfeld immer auch Kriminalität besser gedeiht. Das wissen wir auch in Deutschland.
 Aber es gibt auch die andere Seite. Es gibt die Pflegekraft, die aus wirtschaftlichen Gründen ein halbes Jahr ihre Familie, ihre Kinder zurücklassen muss, weil es sonst kein anderes Auskommen gibt, die nach Deutschland kommt, sich in die große Verantwortung einer Pflegessituation einbinden lässt, die manchmal rund um die Uhr geht und über Monate hinweg und die erstaunlicherweise oft eine große, gute Hilfe wird - und das alles für eine nach europäischen Maßstäben immer noch nicht faire Entlohnung.

 Es gibt sie auch, die Menschen, die in der Gastronomie arbeiten oder in der Lebensmittelbranche oder noch häufiger im Bauhandwerk, die besonders bei Großbauvorhaben eingebunden waren, schon in den letzten Jahren, wo sie nicht selten mit einem Hungerlohn (200,- €/Monat) oder gar keinem Lohn abgespeist wurden. Von den Unterkünften und Arbeitsrahmenbedingungen gar nicht zu sprechen.

Das ist nicht europäisch, das ist oft eben auch bloß „kriminell". Auch wir wissen dazu längst unsere entsprechenden saarländischen Geschichten zu erzählen.

 Europa heißt für uns Fairness und Gerechtigkeit und vor allem mehr und eben nicht weniger Miteinander. Als vor nunmehr 25 Jahren die Mauer in unserem Land fiel und mit ihr schließlich auch der „Eiserne Vorhang", da haben wir das als großes Geschenk und eine große Chance gesehen und sehen diese Chance immer noch; aber nicht die gegenseitiger Ausgrenzung, auch nicht verbaler Art, sondern im Brückenschlagen und „Aufeinander-zu-Wachsen".

 Darum rufen wir auf, auch in der derzeit stattfindenden Debatte Abstand zu nehmen von Sätzen, von denen es nicht mehr weit ist bis hin zu braun-sumpfigen Parolen; auch da wo es beispielsweise um Aussagen über osteuropäische Roma geht.

 Wir haben in 23 Jahren in Rumänien so viele gastfreundliche, hilfsbereite, hochengagierte und kooperative, und über die Jahre uns tiefverbundene Menschen kennengelernt, deren Hoffnung es ist, als Menschen mit Würde und Respekt angesehen zu werden. Dieser ihrer berechtigten Hoffnung entsprechend ergreifen wir dieses Wort. 

Menschen für die durch mancherlei Begegnung und Hilfe auch „Ottweiler" und auch das „Saarland" einen guten Namen und Klang haben, weil sie für Solidarität stehen. Menschen sind es, die ihr Heimatland lieben, und die nirgendwo einfach so hinwollen, um anderen etwas wegzunehmen.

 Dieses Jahr sind Europa-Wahlen. Anlass noch einmal darüber nachzudenken, was uns das Miteinander auf diesem Kontinent bedeutet. 

Wenn es nur ein Europa sein soll, bei dem jeder bloß bis an die nationalen Grenzen denkt oder nur so weit geht, wie der eigene Geldbeutel breit ist und keinen Millimeter weiter, dann wäre das ein „ganz armes Europa", für das es sich einzusetzen und zu arbeiten nicht lohnte. Ein Europa, in dem sich die einen als das „Europa der Vorderen" verstehen und die anderen als die Hinteren angesehen werden! 

Nein, unser Europa ist anders: ein Europa der Menschen - mit Augenhöhe!

 Wir wollen mit diesem Aufruf nicht sagen, dass die beschriebene Verunglimpfung besonders in Ottweiler stattfände, denn wir mögen unsere Stadt gerade deshalb, weil sich in ihr in den letzten Jahrzehnten eine gute und wichtige Sensibilität und Achtsamkeit in dieser Hinsicht ausgebildet hat, eine Kultur der klaren Rede, zu der auch wir beitragen wollen. 
 
So rufen wir Sie alle auf, sich mit uns zu solidarisieren in einer klaren Haltung gegenüber Menschen, die andere durch eine pauschale Rede missachten und verletzen. Wir rufen auch alle politisch Verantwortlichen auf die nötige Sensibilität an den Tag zu legen, wenn westeuropäische Überheblichkeit sich breit macht oder man politisch versucht an falschen Rändern Stimmen zu fangen.

Wir danken allen, die als gute Europäer dabei mittun.

Für die Rumänieninitiative Ottweiler 
 Pfarrer Jörg Heidmann

„Wir sind miteinander Europa"

RumänienInitiative Ottweiler 
Ein Initiativkreis der Ev. Kirchengemeinde Ottweiler
Kategorie: Ottweiler - interkulturell | Hinzugefügt von: Multiplikator (2014-04-21)
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